Palpitationen des herzens sind ungewöhnliche oder verstärkte Herzschläge, die ein Mensch bewusst wahrnimmt - oft als Pochen, Flattern, Stolpern oder plötzliches Hochschlagen im Brustbereich. Sie können kurz dauern oder sich über Minuten hinziehen und treten nicht immer mit einer Herzrhythmusstörung einher.
Diese Empfindung entsteht, wenn der Patient den eigenen Herzschlag spürt - meist im Bereich der Brust, Hals oder Oberbauch. Sie sind kein Krankheitsbild an sich, sondern ein Symptom, das auf eine Vielzahl möglicher körperlicher oder psychischer Zustände hinweisen kann. Die meisten Fälle sind harmlos, aber manche erfordern ärztliche Abklärung.
Ein Beispiel: Eine 34-jährige Frau berichtet, dass sie nach einem Kaffee und einem angespannten Meeting plötzlich ein starkes „Pochen" im Brustkorb spürte, das etwa drei Minuten anhielt. Sie war nicht außer Atem, hatte keine Schmerzen, aber war beunruhigt. Nach einer EKG-Untersuchung wurde bei ihr eine vorzeitige Vorhofkontraktion diagnostiziert - eine häufige, meist harmlose Rhythmusstörung.
Das Herz schlägt normalerweise unauffällig, da die Muskulatur automatisch arbeitet. Palpitationen entstehen, wenn eine Herzfunktion gestört ist - entweder durch eine abnormale elektrische Aktivität im Herzmuskel oder durch äußere Faktoren wie Hormone, Medikamente oder Stress.
Die elektrischen Impulse, die das Herz regulieren, stammen aus dem Sinusknoten im rechten Vorhof. Wenn diese Signale verzögert, beschleunigt oder aus anderen Regionen des Herzens kommen, kann das zu unregelmäßigen Kontraktionen führen. Diese werden dann als ungewöhnliche Herzschläge wahrgenommen.
Eine Studie der American Heart Association (AHA) zeigt, dass 80 % der Menschen, die über Palpitationen klagen, keine strukturelle Herzkrankheit haben. Dennoch sollten alle neu auftretenden oder wiederkehrenden Beschwerden medizinisch abgeklärt werden, da sie auch auf Vorhofflimmern, Bradykardien oder Arrhythmien hinweisen können.
Palpitationen lassen sich nach ihrer Ursache in mehrere Gruppen einteilen. Die häufigsten sind:
| Ursache | Häufigkeit | Beispiel |
|---|---|---|
| Psychische Faktoren | 60-70 % | Angstzustände, Panikattacken, Stress |
| Lebensstilfaktoren | 20-30 % | Koffein, Alkohol, Nikotin, Schlafmangel |
| Herzrhythmusstörungen | 10-15 % | Vorhofflimmern, supraventrikuläre Tachykardie |
| Medikamentenwirkung | 5-10 % | Schilddrüsenmedikamente, Asthmasprays, Antidepressiva |
Ein nicht offensichtlicher Punkt: Bei jungen Erwachsenen ohne kardiale Vorerkrankungen sind psychogene Ursachen deutlich häufiger als strukturelle Herzprobleme. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) betont, dass nur 5 % der Patienten mit neu auftretenden Palpitationen eine lebensbedrohliche Arrhythmie haben.
Ein Fall aus der Praxis: Ein 28-jähriger Mann bemerkte nach zwei Wochen intensiver Arbeitsbelastung und erhöhtem Kaffeekonsum regelmäßig abends ein „Herzflattern". Nach Ausschluss einer organischen Erkrankung durch EKG und Blutuntersuchung wurde ihm eine Stress-induzierte Arrhythmie diagnostiziert. Mit Reduktion von Koffein und Entspannungstechniken besserte sich sein Zustand innerhalb von sechs Wochen.
Ein häufiger Missverständnis ist, dass Palpitationen immer auf eine schwere Herzkrankheit hindeuten. Das ist nicht der Fall. Die Mehrheit der Fälle ist harmlos, besonders wenn sie selten, kurz und ohne Begleitsymptome wie Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen auftritt.
Ein weiterer Fehler: Die Annahme, dass jede unregelmäßige Herzaktion eine Arrhythmie ist. Tatsächlich kann ein normales Herz auch gelegentlich eine extra Kontraktion ausführen - eine sogenannte Extrasystole - ohne dass dies pathologisch ist. Diese werden oft als „Herzschlag aussetzen" oder „eine Pause" beschrieben, obwohl das Herz nie wirklich stillsteht.
Wichtig: Wenn Palpitationen mit Schweißausbrüchen, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Schmerzen im Arm oder Brustbein einhergehen, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Diese Kombination kann auf einen akuten Herzinfarkt hindeuten.
Die Diagnose beginnt mit einer detaillierten Anamnese. Der Arzt fragt nach Häufigkeit, Dauer, Auslösern und Begleitsymptomen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung und meist ein EKG.
Für episodische Palpitationen ist ein Langzeit-EKG (Holter) oft notwendig. Es misst das Herzrhythmus über 24 bis 48 Stunden und kann sporadische Arrhythmien erfassen, die beim normalen EKG nicht sichtbar sind. Bei Verdacht auf Vorhofflimmern kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) nötig werden.
Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei psychogenen Palpitationen helfen Entspannungsübungen, Meditation oder Psychotherapie. Bei körperlichen Ursachen wie Hyperthyreose oder Medikamentennebenwirkungen werden die zugrunde liegenden Bedingungen behandelt.
Wenn eine echte Arrhythmie nachgewiesen wird, kann eine medikamentöse Therapie mit Betablockern oder Antiarrhythmika erfolgen. In schweren Fällen - etwa bei Vorhofflimmern mit hohem Thromboserisiko - wird Antikoagulation empfohlen. Bei rezidivierenden supraventrikulären Tachykardien kann eine Katheterablation wirksam sein.
Einmal habe ich einen Patienten gesehen, der seit Monaten anhaltende Palpitationen hatte. Er war bereits in mehreren Kliniken gewesen, ohne eine Ursache zu finden. Erst ein 72-Stunden-Holter-EKG zeigte eine intermittierende AV-Blockade zweiten Grades. Nach einer Implantation eines Schrittmachers verschwand das Symptom komplett.
Palpitationen des herzens sind ein häufiges Symptom, das meist harmlos ist, aber auch auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen kann. Sie entstehen durch gestörte elektrische Aktivität im Herzen oder äußere Faktoren wie Stress, Koffein oder Medikamente. Die Diagnose erfordert eine gründliche Abklärung, einschließlich EKG und eventuell Langzeitmonitoring.
Wenn Palpitationen neu auftreten, wiederkehrend sind oder mit anderen Symptomen kombiniert auftreten, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Bei langanhaltenden Beschwerden ist eine kardiologische Einschätzung unerlässlich.